Sonntag, 9. Juni 2013

Der Weg ins Krematorium & 3D - Abdrücke, welche 13 Jahre Freundschaft besiegeln

Ich grüße euch, Ihr Lieben!

heute möchte ich euch von einer recht emotionalen Passage meines Künstler-Daseins berichten. Ende März lag ja bei uns noch Schnee! Die Tage wirkten wahrlich noch grau und so richtig Frühling wollte sich auch nicht zeigen. Eine liebe Bekannte, welche in der Nachbarschaft Babymassage Kurse für Väter anbietet, deckte sich hin und wieder mit Abformmasse ein, um von den winzigen Kursteilnehmern kleine Erinnerungen festzuhalten. Daniela ist selbst Mutter von zwei lieben Kindern. Ihre Hündin Whitney dagegen, ihre beste Freundin! 13 Jahre war sie an ihrer Seite. Fühlte wenn es ihr nicht gut ging, gar hatte Sie eine sehr liebevolle Erscheinung. Das war auch der erste Eindruck, als ich sie still und leise vor mir sah, als ich sie das erste Mal im Krematorium kennenlernen durfte. Aber dazu komme ich gleich noch...
Whitney war eine Husky Hündin, welche sehr geliebt wurde. Daniela brach es das Herz, als der Doktor ihr sagte, die wuschlige Hundfreundin würde es nicht mehr schaffen. Wie kann man das wohl übers Herz bringen, zu sagen "Ich lasse sie gehen"? Daniela rief mich zeitnah an und schilderte mir dies. Ein Gefühl, als würde mir jemand den Brustkorb abdrücken. Sehr beklemmend! Ich selbst hatte einst 2 Hunde gleichen Alters gehen lassen müssen. Sie sind wie Geschwister, wie Freunde oder eben ein Familienmitglied. Nur auf 4 Beinen.. Ich konnte Ihre Trauer sehr nachempfinden.
Sie meinte am Hörer, ob ich noch Abformmasse hätte und ob man damit die Spuren im Schnee ausfüllen und verewigen könnte. Ich meinte " probiere es ".. Wenig später stand Sie mit den Resultaten total fertig bei mir im einstigen Atelier in Potsdam. Ich war etwas im Zwiespalt, denn die Ergebnisse waren nicht wirklich schön oder zufriedenstellend! Mir war bewusst das es besser geht, nur dafür müsste ich wohl selbst eine innere Hürde erklimmen müssen. 
Konnte ich mich tatsächlich damit anfreunden, einem verstorbenen Hund die Pfoten abzuformen? Ich hab da ja so meine Prinzipien. Denn sei es Intimabformungen oder eben verstorbene Tiere oder Babys... Da kann ich emotional einfach nicht ran! 
Nun steht mir Daniela aber näher als "nur" ein Kunde und ich wusste und sah, wieviel ihr diese Abdrücke bedeuten würden. Daniela fuhr mit der Familie in den Urlaub und ich schlief darüber. Dann freundete ich mich damit an und quetschte es in meinem eh schon so vollen Kalender mit rein, nebst Umzugsstress... und wagte den Weg zum Krematorium! Eine ganz neue Erfahrung für mich.

frisch ausgegossen und aus der Abformmasse entformt. Es hängen noch Härchen dran..

Auf dem Weg ins Krematorium


Mit gepackter Tasche fuhr ich den Kieselweg entlang und parkte neben einer riesigen Grünfläche. Gärtner kümmerten sich liebevoll um die Gräber des "Tierhimmels".. und so ging ich total gespannt auf die große Pforte zu. Was mich wohl erwarten würde? Eine liebe, kleine Frau meinte ich dürfe kurz Platz nehmen und warten. Derweil bestaunte ich die außergewöhnlichen Tierurnen. Teils wahre Kunstwerke! Aber auch etlich andere edle Sachen, womit man seinem geliebten Tier ein Zeichen der Erinnerung setzen kann.


In einer Schrecksekunde, kippte Sie einfach zur Seite... Ich dachte mein Herz bleibt stehen

 

Ein Mitarbeiter kam, begrüßte mich und führte mich in die hinteren Räume. Im ersten Raum lag bereits ein Hund ganz friedlich zugedeckt. Erst dachte ich "das ist sie dann wohl"... aber nein, erst einen Raum weiter. Da lag Sie ganz klein und zierlich... als wenn sie wirklich schliefe in einer Kiste. Vor diesem Moment hatte ich ein wenig Angst... Leben und Tod so dicht beieinander. Whitney wirkte, als wenn sie die Augen wegen der zu hell strahlenden Sonne zu blinzelte und die Pfötchen, wartend auf mich, ausstreckte. Der nette Mitarbeiter liess mich mit ihr allein. Stille. Ich musste sie mir genau anschauen.. Wahnsinn. Mich umschloss mit einem Male ein Woge voller Liebe und Mitgefühl! Diese Hundedame wurde von ganzem Herzen geliebt. Das konnte ich sehen und fühlen.. Doch sah sie aus, als wäre sie eine Puppe.. Es war also gut zu erkennen, dass die Seele schon aus dem Körper geschlüpft war. Keine Energie mehr da... nichts was sie hätte wie die Whitney, die sie war, erscheinen lassen hätte können.




Ich machte mich ans Werk. Ich nahm mir ihre Pfötchen und schneidete das zu lange Fell, zwischen den Fußballen heraus.. bzw. kürzte ich es nur. Dann massierte ich sie bis zum Gelenk hin mit Vaseline ein, dabei nahm ich den natürlichen und typischen Hundegeruch wahr. Welcher Bilder von einem Freudetollenden Hund und Kinder im Schnee erschienen ließ.
Als ich soweit war, rührte ich die Abformmasse an und rief den netten Mitarbeiter, mir kurz dabei zu helfen. Er hielt mir die Whitney etwas, da sie doch recht schwer und steif war. Alles aber halb so wild! Die Abdrücke gingen wirklich ganz einfach und schnell.. Die einzigste Hürde lag also bei mir, bis ich mich dazu mental durchringen konnte. Doch alles war so ruhig und liebevoll. Es fühlte sich so richtig an und ich war dankbar und fasziniert zugleich. 




Somit konnte ich der lieben Daniela und Ihrer Familie, vor unserem Umzug, doch noch eine wertvolle Erinnerung an ihre 13 jährige Freundin schenken! Ich bin so glücklich damit..

Bitte seht dies als eine Inspiration für euch an... Daniela selbst ärgerte sich, da sie die Abformmasse schon so lange daheim und die Abdrücke immer aufgeschoben hatte zu machen. Es sind plastische Erinnerungen, welche immer und zu jeder Zeit in die Hand genommen werden können und nie vergessen lassen. Ob nun Mensch oder Tier... Die liebe Whitney fand noch am selben Tage, wie ich da war, ihren Platz in einer wunderschönen Urne und ist nun seelisch als auch köperlich - zu Hause.


Alles Liebe,

Julia









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinterlasse mir doch ein paar liebe Zeilen...

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...